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Ein alter Hut: Der Dominanzbegriff zur Erklärung hündischen Verhaltens
Press release issued 21 May 2009: Paper in the Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research

Eine neue Studie zeigt, wie das Verhalten von Hunden über Generationen missverstanden wurde: Falsche Vorstellungen über Verhalten und Ausbildung von Hunden sind wahrscheinlich eher die Ursache als „Heilung“ von unerwünschtem Verhalten. Die Ergebnisse stellen viele der vom Dominanzbegriff getriebenen Interpretationen von Verhalten sowie die Ausbildungstechniken einiger TV-Hundeausbilder in Frage.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung, versuchen aggressive Hunde nicht, ihre Herrschaft über ihre Hunde- oder Menschen-"Rudel" geltend zu machen (Studie an der University of Bristol Department of Veterinary Clinical Sciences, im Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research).

Die Forscher studierten sechs Monate Hunde in einem Hunde Rehoming Trust Center, und analysierten zudem Daten aus Studien mit verwilderten Hunden: Sie schlossen, dass die einzelnen Beziehungen zwischen den Hunden eher durch Erfahrung erlernt als durch Streben nach "Dominanz" motiviert waren.

Das Papier "Dominance in domestic dogs – useful construct or bad habit?” zeigt, dass die Hunde nicht bestrebt sind, ihren Platz in der Rangordnung des Rudels zu behaupten, wie viele bekannte Hundeausbilder predigen.

Weit davon entfernt, hilfreich zu sein; so die Wissenschaftler: Ausbildungsansätze zur "Reduzierung der Dominanz" variieren von „sind wertlos in der Therapie“ bis hin zu „sind sogar gefährlich“ und tragen sehr wahrscheinlich zur Verschlimmerung von Verhaltensweisen bei.

Ratschläge der Hundetrainer wie, essen, bevor der Hund isst oder als erster durch die Türe zu gehen, entbehren jeder Grundlage. Solche Verhaltensweisen haben keinen Einfluss auf die allgemeine Wahrnehmung der Beziehung durch den Hund – sie lehren ihn lediglich, was in diesen besonderen Situationen zu erwarten ist.

Schlimmer sind Techniken wie das Niederdrücken des Hundes auf den Boden, in die Backe greifen/den Kiefer packen oder die Anwendung von Drucklufthalsbänder. Der Hund hat Angst, oft vor seinem Besitzer, dies führt potentiell zu einer Eskalation der Aggression.

Die pauschale Annahme, dass jeder Hund von dem angeborenen Wunsch Menschen und andere Hunde kontrollieren zu wollen, angetrieben wird, ist lächerlich. Dies unterschätzt die komplexen kommunikativen Fähigkeiten sowie das Lernpotential von Hunden. Solche Ansichten führen zu dem Einsatz von Zwangs-Trainingsmethoden, die das Wohlergehen des Hundes gefährden, und höchst wahrscheinlich Ursache von Problemverhalten sind.

Dr Rachel Casey, Senior Lecturer in Companion Animal Behaviour and Welfare at Bristol University:
" In unserer Klinik sehen wir sehr oft Hunde, die gelernt haben, Aggressionen zu zeigen, um erwartete Strafe zu vermeiden. Die Besitzer sind oft entsetzt, wenn wir erklären, dass ihr Hund panische Angst vor ihnen hat und aufgrund der von ihnen eingesetzten Techniken Aggression zeigt. Es ist nicht ihr Versagen, wenn sie so angeleitet wurden, z.B. durch unqualifizierte Behavioristen, die diese Techniken befürworten."

Im Dogs Trust, der größten englischen Tierschutzorganisation und Vermittlungszentrum sieht man die Ergebnisse fehlgeleiteter Hundeerziehung ständig. Der Tierärztliche Leiter Chris Laurence MBE, fügt hinzu: Wenn die Hunde zu uns kommen, können wir genau sagen, welcher den dominanzverringernden Techniken ausgesetzt war, die von den TV-Tiertrainern so geliebt werden. Diese Hunde sind sehr ängstlich, was zu Aggressionen gegenüber Menschen führen kann.

"Leider sind viele Techniken, die den Hund lehren sollen, dass der Besitzer der Rudelchef ist, kontraproduktiv. Man erhält einen Hund, der entweder dermaßen ängstlich ist, dass er sein natürliches Verhalten unterdrückt und nichts tut, oder man erhält einen Hund, der derart aggressiv ist, dass es gefährlich ist in seiner Nähe zu sein. "

Zum Originalartikel der Bristol University